In Indien gibt es noch Reste von literarischen und besonders architektonischen Zeugnissen des mittelalterlichen indischen tantra. Tantra ist eine Lebensweise, die will, daß Frauen und Männer in großer authentischer Freiheit leben. Mit authentisch ist gemeint, daß jeder Mensch dem eigenen angeborenen Charakter entsprechend lebt. Ein solcher tantrika bemüht sich zu verstehen, wo der Unterschied zwischen dem angeborenen und dem erworbenen Charakter liegt. Kannst du erstmal diesen Unterschied klar sehen, ist das Leben ein Stück weit einfacher.
Tantra versucht, Dogmen, Regeln und Zwänge so gering wie nötig zu halten, die in den meisten Gesellschaften und Religionen zwingend sind. Im Innern dieser Schrift will ich mit der Leserin, dem Leser in einer Fantasiereise ein lebendes Bild eines kleinen Teils des tantrischen Lebens entwerfen und erleben. Wir werden die Zeugnisse des alten tantra in einer antiken Reise zu den Tempeln sehen und erfahren. Allerdings ist diese Reise – historisch gesehen – zum größten Teil fiktiv und spielt in einer anderen Zeit, nämlich im indischen Mittelalter. Und sie ist nur ein kleiner Ausschnitt des tantrischen Lebens.
Die Umstände dieser Reise sind einmal der mittelalterliche, indische Staat Jejaka-bhukti und seine spirituelle Hauptstadt Khajuraho mit ihren Tempeln und den antiken Statuen, und andererseits eine modernisierte Vorstellung vom tantra, wie es heute gelebt werden könnte mit dem Ziel, den Menschen Grundlage zu mehr Freiheit und innerer Klarheit zu geben. Dieser Bericht ist Ausdruck meiner Hoffnung, daß modernisiertes tantra (Neo-Tantra) uns helfen mag, aus den heutigen Problemen der Menschheit ein wenig heraus zu kommen.
Diese Fantasiereise führt uns in zwei der etwa 20 Tempel. Doch bevor wir das Innere eines Tempels betreten dürfen, um ein andächtiges Ritual vor dem Symbol der Gottheit zu feiern (puja), bekommen wir Gelegenheit, unsere Seelen zu reinigen. Hierzu kennt altes und neues tantra besonders wirksame spirito–therapeutische Methoden – wir werden sehen.
Die Nummern der Bilder beziehen sich auf das Bilderalbum am Ende dieser Schrift. Am liebsten würde ich noch mehr Fotos aus diesen Tempeln zeigen, doch seht euch erstmal die wenigen am Ende des Buches an. Ihr könnt Euch die originalen Dias mal bei mir ansehen. Wer noch etwas zu meinem Bericht beitragen möchte, ist willkommen, mir an meine Adresse zu schreiben. Dabei sind mir sachliche Ergänzungen nicht so wichtig wie Beschreibungen eigener Erlebnisse.
Dankbar bin ich meinem spirituellen Meister, OSHO RAJNEESH (der in Khajuraho einen Teil seiner Kindheit verbrachte), daß er mir die Augen geöffnet hat für das alte und das moderne tantra. Dankbar bin ich auch den mittelalterlichen Künstlern, die diese Tempel geschaffen haben – aus den Tiefen ihrer Seelen heraus.