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Die wichtigsten Fachausdrücke

 

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Das Wort Tempel (mandir in sanskrit)

ist für die Gebäude, die ich in Khajuraho gesehenen habe, vielleicht nicht ganz richtig, doch ich behalte ”Tempel” hier bei, weil es sich eingebürgert hat. Üblicherweise ist ein Tempel ein Ort der Anbetung der oder einer Gottheit. Im tantra ist das jedoch weniger wichtig; hier in Khajuraho sind die "Tempel" so etwas wie psycho- und spirito-therapeutische Plätze, nur das Innerste dieses Gebäudes ist echter Tempel.

Die Tempel in Khajuraho sind so gebaut, daß sie auch als Bild des menschlichen Körpers erfahren werden können. Oder anders herum: der menschliche Körper ist der Tempel, in dem sein atman in dieser Existenz zu Hause ist – er ist deswegen besonders heilig, göttlich, pflegebedürftig, schmückenswert, liebenswert. Deswegen ist es im tantra eine Lästerung, den Körper zu mißhandeln und nicht zu pflegen, es ist Lästerung, ein den Körper mißachtender Asket zu sein.

Bild 02, Lakshmana-Tempel, Grundriß - Vorschaubild

Bild 02, Lakshmana-Tempel, Grundriß

Yoga (sanskrit)

Die beiden Begriffe yoga und tantra haben eine sehr weit gefasste Bedeutung in Indien. Ich benutze sie hier nur wie folgt: yoga: »suppression of the movements of the mind, that is yoga« wie PATANJALI sagte (er lebte in Indien ca 150 vor Christus, Zweiter Yoga-Aphorismus). Das habe ich gefunden bei RAWSON [1973, Seite 110], der dazu schreibt: »the most authoritative definition of yoga in Hindu literature: die autoritativste Definition in der Hindu–Literatur«. Yoga hat sehr viel zu tun mit Systemen, die zur Meditation und Erleuchtung führen. Die Vollendung ist nur nach vielen und langen Übungen (asanas, tapas) möglich, vielleicht erst nach vielen Leben.

Tantra (sanskrit)

Der Gegensatz zu yoga ist für mich tantra. Tantra ist nicht systematisch, doch auch hier ist Meditation die wichtigste Methode, um zur Vollendung zu kommen.

Das Wort tantra wird vielfach auch als Bezeichnung für eine gewisse Art von Schriften benutzt, doch das meine ich in diesem Aufsatz nicht – außer wenn es zum Beispiel heißt "die ...-tantras" (wie im Titel von CHAWDHRI´s Buch).

Einerseits kann man vom traditionellen tantra sprechen: das hinduistische tantra vorwiegend in Indien (heute noch in Bengal, Bihar, Madhya Pradesh, Orissa) oder das buddhistische tantra besonders in Tibet (bis zum Ende der alten Zeit also bis zur Besetzung Tibets durch China 1950). Das hinduistische tantra wird bis heute in einigen Bewegungen (besonders in Bengalen) gepflegt. Das alte tantra ist oft mit Magie – auch schwarzer Magie – verbunden (das ist gut zu sehen bei CHAWDHRI, L.R., 1985).

Andererseits gibt es das neue tantra, von OSHO Neo-Tantra genannt (1981a, Seite 11), das er weitgehend vom traditionellen tantra getrennt hat. Das Neo-Tantra OSHO´s hat sich vom alten tantra gelöst, und die modernen tantrikas haben neue Formen entwickelt, sie ließen viele alte Rituale fallen und machten tantra für den materialistisch eingestellten Westen annehmbar – im Wesentlichen durch OSHO und seine sannyasins. Neo-Tantra hat sich von den Religionen gelöst und wird von ihnen mißbilligt. Viel Literatur – für mich sind wichtig: OSHO 1980, NASLEDNIKOV 1987.

In meinem Text über das tantra im alten Indien will ich auch anregen, Altes mit Neuem zu vergleichen, denn die Alten hatten wie wir heute Erfahrungen mit dem Mensch-Sein, mit den natürlichen Eigenschaften des Menschen. Also: grundsätzlich sind wir heutigen Menschen nicht anders als die Khajuraho-Leute vor 1000 Jahren. Und vielleicht kann uns das helfen, einiges des alten tantra-Erfahrungen und -Methoden in unsere heutige Lebensweise einzubauen (siehe Kapitel "Hilfe für die Heutige Menschheit").

Tantra (altes und neues tantra) kann als ein System der Systemlosigkeit aufgefaßt werden – das heißt: gesellschaftlich ist es erstmal ein System, das aber den Einzelnen aus dem System zur eigenen individuellen (damit meine ich angeborenen) Freiheit, Klarheit, Bewußtheit entläßt – schon im Hier und Jetzt, im Gegensatz zu yoga, bei dem diese Freiheit erst am Ende des Weges winkt. Wenigstens an dieser Stelle geht tantra weiter als die klassischen Religionen, auch weiter als die traditionellen westlichen Wissenschaften.