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Die Methoden meiner Erkenntnis

  1. Meine Besuche: Die Tempel von Khajuraho habe ich im Februar 1988 und im Mai 1992 besucht - 2 beziehungsweise 5 Tage.
  2. Meine Bilder: 1988 und 1992 habe ich an allen besuchten Plätzen Fotos gemacht, zum Teil in Farbe, zum Teil in schwarz-weiß, Kleinbildkamera (Konika TC) mit 4,5 und 13,5 cm Brennweite. Die benutzten Filme waren Ilford-schwarz-weiß-Filme, Ektachrome- und Kodacolor-Farbfilme. 1992 machte ich in einigen Tempeln Khajuraho´s Innenaufnahmen mit Blitzlicht. Meine Bilder haben bei Weitem nicht die Güte, die die Tempel verdienen. Meine Ausrüstung war zu schwach. Dieser Bericht möchte auch eine Herausforderung sein, sich den Tempeln mit bester Ausrüstung zu nähern - ich bewundere die Fotos von SURESH KRISHNA.

    Du kannst die Bilder kopieren und in Größe, Helligkeit und Farbe für Dich selbst verändern.

    Alle Farbaufnahmen sind von mir. Für die schwarz-weiß-Zeichnungen, die nicht von mir sind, ist über die Herkunft etwas in den Legenden angegeben.

    Auf den Bildern errscheinen auch Pflanzen, mir ist bewußt, daß Bougainvillea und Hibiscus möglicherweise vor 1000 Jahren in Indien nicht vorkamen, da sie aus anderen Ländern stammen - Südamerika beziehungsweise China. Bougainvillea ist auf Bild 18, Bild 20 und Bild 05. Hibiscus auf Bild 22, Bild 25. Auf Bild 24 ist ein banyan-Baum (Ficus bengalensis) zu sehen. Auf Bild 03 steht vorne ein Teak-Baum (Tectona grandis). Im Bild 15 stehen vorne ein paar Bananen-Pflanzen, und auf den kleinen Feldern bauen die Bauern Reis an. Ich erinnere mich, wie ich 1965 diese Aufnahme in Kerala (Südindien) machte: die Luft war voll vom Duft von Gewürzpflanzen. Die Schmetterlinge und die grüne Raupe stammen ebenfalls aus Kerala, sie mögen vielleicht in Khajuraho nicht vorgekommen sein - aber in den tropischen Wäldern und Parks leben viele Schmetterlingsarten, die den Besucher umkreisen.

    Die Zeichnungen der Grund- und Aufrisse habe ich nach Zeichnungen in der Literatur gemacht.

    Das Bild der vina-Spielerin habe ich nach einem Foto von Martin HÜRLIMANN aus seinem Buch "Indien" 1966 abgezeichnet.

  3. Interviews: 1992 befragte ich in Khajuraho etliche Personen, die in oder bei Khajuraho zu Hause sind, interviewte sie über deren Verständnis der Aufgaben, die diese Tempel ursprünglich gehabt haben. Besonders wichtig war der Fremdenführer Swami GANGA, später Hotelbesitzer im Bazar Khajuraho (Hotel "Harmony"). Er hatte zwar die im Handel und in Bibliotheken erhältlichen Bücher gelesen, hatte sich selbst aber eine abweichende Meinung gebildet. Er hatte in den 60er Jahren oft OSHO RAJNEESH zu Besuch (OSHO war damals Professor für Philosophie und Psychologie an der Universität Jabalpur), der GANGA tiefe Einblicke vermittelte. - Weitere wichtige Gesprächspartner waren für mich 1988 Frau Anita SPEELPENNING aus Amsterdam und 1992 Herr CHANDELA aus Khajuraho-Dorf. - Im Juli 1993 traf ich Swami SURENDRA SARASWATI aus Pune in Achim (bei Bremen), der mir einige der feineren Details des tantra mitgab, im übrigen aber meine Idee, wie es in den Tempeln war, akzeptierte. SURENDRA ist indischer Herausgeber und hat sich viel mit den Literaturen des tantra beschäftigt.
  4. Die Literatur: Da die tiefere Bedeutung der Tempel von Khajuraho in der westlichen und indischen Wissenschaft nur ganz knapp - meistens garnicht - behandelt wird (was auch Swami SURENDRA bestätigte) sondern lediglich ihr künstlerischer und kunsthistorischer Wert, ist es schwer, einschlägige Literatur darüber zu erhalten. Ich fand aber viele Bemerkungen von OSHO in seinen Büchern, die Niederschriften von seinen öffentlichen Vorträgen sind; ich habe mich stark an die Bücher von OSHO gehalten, da er mein spiritueller Meister ist und ich in ihm eine im tantra erfahrene Autorität erkenne. Dazu kommen einzelne Bemerkungen in verschiedenen Werken anderer Autoren. Schön ist das Buch von Pramila PODDAR und dem Fotografen Pramod KAPOOR (1992), das durch die schreibende Autorin Frau PODDAR frauliche Sichtweisen enthält, was sonst selten ist.

    Über tantra ist im Westen viel Literatur zu finden, aber erst seit Ende des 19. Jahrhunderts: vorwiegend AVALON (Pseudonym für WOODROFFE), später MOOKERJEE und RAWSON - um die wichtigsten zu nennen. Die Werke der genannten Autoren habe ich für diesen Text angesehen.

    Es gibt einen tief esoterischen, indischen Film über Khajuraho: "1002 A.D. Khajuraho" (siehe Literaturverzeichnis). Immer wieder stellen Künstler in den Tempeln ihre Kunst vor, so Pandit JASRAJ und Hari Prasad CHAURASIA (siehe Literaturverzeichnis unter Pandit ...) auf Audio-Cassetten.

  5. Meine eigenen Überprüfungen: Weiter unten beschreibe ich eine mittelalterliche Fantasiereise, es geht um mittelalterliche Pilgerreisen zu zwei Tempeln, wie ich mir das heute vorstelle. Ich habe das zum Teil selbst in den Tempeln geprüft, indem ich der Reise nachging - allerdings ohne die mittelalterlichen Umstände - und zu erspüren versuchte, was in den eigenen Gefühlen und in der Seele vorging. Diese Methode wird von Paul LOWE (1993, Seite 8) dem Sucher nahegelegt: McNAY & FEIL schreiben im Vorwort: »Paul empfiehlt dir, seine Mitteilungen einfach als Hypothesen (ungeprüfte Behauptungen) anzunehmen und zu hören, ob in dir eine Resonanz entsteht«, so handelte ich in Khajuraho, hörte also auf die Resonanz des Gesehenen.
  6. Wissenschaftlichkeit: Im vorliegenden Text habe ich absichtlich und bewußt von meinen eigenen SUBJEKTIVEN Erfahrungen und Deutungen berichtet. Beweise gibt´s hier nicht, da ich in meinem Subjektiven (wo es keine wissenschaftlichen Beweise gibt) und in einem sehr quellenarmen historischen Umfeld arbeite. Ich habe also nicht etwa wissenschaftliche Methoden angewendet.

    Viele Berichte in der sogenannten Fachliteratur sind mir zu eng und orientieren sich an Vorurteilen; ich sehe das besonders an den verschiedenen Bemühungen, einen Sinn in den erotischen Skulpturen auf den Tempeln zu finden. RAWSON (1973, Seiten 26 ff) schreibt etwas zu diesem Problem.

    Vermutlich sind die Autoren der sogenannten Fachliteratur mit festgefahrenen Vorstellungen (Paradigmen) behaftet und von ihnen abhängig, die aus ihrer eigenen sozialen und religiösen Herkunft stammen - zum Beispiel färben oft christlich-kirchliche Ansprüche und Vorstellungen in die Texte hinein; und so ähnlich ist es auch im modernen hinduistischen Brahmanismus - beide sind anti-tantrisch, anti-sexuell, anti-hedonistisch und wehren sich gegen die Leichtigkeit und Naturnähe des tantra.