(Literaturquelle: ANONYMUS 1988) Im Mittelalter regierte hier das Königshaus der Chandela-Dynastie (9. - 13. Jahrh.) über das Reich Jejaka-bhukti (das Gebiet nennt man heute Bundelkhand) in der damals Khajuravataka genannten Stadt (khajura = Dattel, vatika = Garten). Die Chandelas sollen von einheimischen Stämmen, den Ghonds abstammen (THOMAS 1960 Seite 16, nach RAWLINSON), doch ein Bekannter von mir, Herr BURCHANA GANESH BREDEKA, ist ein Ghond, der in St. Gallen (Schweiz) lebt, weiß hiervon nichts.
Es gibt nur wenige internationale schriftliche Berichte aus dem Mittelalter, und die indischen sind mir nicht bekannt. Der weitreisende Araber IBU-C-BATUTA (IBN BATTUTA) hatte 1315 "Kajrao" besucht und erwähnt die vielen Tempel, die um einen See liegen.
Es soll in bester Zeit 85 Tempel gegeben habe, von denen jetzt etwa 15 gut erhaltene übrig geblieben sind. Ein paar weitere sind weitgehend zerstört oder von anderer Art. Einige sind integriert in modernere Jaina-Tempel oder werden als Hindu-Tempel benutzt. Die antiken Tempel werden heute von der indischen Regierung sehr sorgfältig unterhalten und stehen den Besuchern tags offen. Einige liegen in einem Park. Es gibt auch noch einige Plätze, an denen nur noch Teile von Tempelfundamenten gefunden wurden.
Die Chandelas begannen im 9. Jahrhundert mit dem König Nannuk. Die Geschichte der Chandelas war voll von Kriegen, Eroberungen und wieder Verlusten an Land. Schließlich endete ihre Macht 1202 als sie von dem Moslem-Sultan Prithviraj Chauhan von Delhi besiegt wurden. Der letzte große Chandela-Fürst war Parmadidev, der dann auch die Selbständigkeit der Chandelas verlor. Sie regierten noch einige Zeit als Vasallen der Sultane von Delhi. - Heute erhebt eine reiche Bauern-Familie in Khajuraho Anspruch auf den Namen.
Khajuraho blieb noch die spirituelle Hauptstadt der Chandelas, doch nach 1335 war es mit dem Glanz dieser Tempel auch vorbei.