Die Grund-Struktur der Tempel ist klar gegliedert. Diese Gliederung soll – nicht bildlich aber symbolisch – den menschlichen Leib wiedergeben. Ähnliche Vorstellungen sind aus Tibet bekannt, wie Keith DOWMAN in seinem Buch „Geheimes, heiliges Tibet“ an vielen Beispielen erzählt: ganze Landschaften werden dort mit der Gliederung des menschlichen Körpers verglichen. Bei den Tempeln in Khajuraho ist außen die vertikale Gliederung in Horizonte auffällig.
Genaueren Einblick gibt der Grundriss des Lakshmana-Tempels wieder, bei dem auf dem Podest noch vier Ecktürmchen stehen, die auch bei anderen (zum Beispiel Kandariya) vorhanden gewesen sein sollen:
Bild 02, Lakshmana-Tempel, Grundriss.
Die Tempel sind – wie RÁMACHANDRA KAULÁCHÁRA (englische Ausgabe 1966; er lebte zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert) für andere tantra-Tempel geschildert hat – mit ausführlicher Sorgfalt in den Raum gestellt worden, genau nach den astronomischen und erdigen (geomantischen) Bedingungen ausgerichtet. Zugrunde liegt ihnen nach dieser Quelle wahrscheinlich ein graphisches Symbol, ein yantra, das von einem Priester zu Beginn des eigentlichen Baues als Grundmuster zeremoniell in den Boden geritzt worden war. Über yantras schreibt JOHARI (1987).