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Zur Geschichte der Tempel

Über die Chandela–Dynastie findet sich in "The Oxford History of India" (1961, 202 ff.):

»Die Chandela Dynastie von Jijhoti oder Bundelkhand hatte – obwohl sie nie eine Position erreichte, die so erhaben war wie die der größten Andhra- und Pala-Könige – eine längere Geschichte und spielte für drei Jahrhunderte eine gewichtige Rolle auf der politischen Bühne Indiens. Die frühen Chandela Könige scheinen unbedeutende Ghond-Häuptlinge in dem Gebiet gewesen zu sein (ich habe gehört: Ghond ist die Bezeichnung für die Ureinwohner dieser Gegend, heute als adivasi bekannte Waldbewohner), das bis vor kurzem Chhatarpur im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh hieß. Im neunten Jahrhundert unterwarfen sie die benachbarten Pratihara- (Parihar-) Häuptlinge, die ausländischen Ursprungs waren ... und dehnten ihre Grenzen im Norden aus hinein bis in die Gegend, die heute Bundelkhand genannt wird, bis sie den Fluß Jumna erreichten. Die wesentlichen Städte des Königreichs, das Jejaka–bhukti oder Jijhoti genannt wurde, waren Khajuraho in Chhatarpur, Mahoba im Hamirpur Distrikt, und Kalanjar im Bandar Distrikt (im Bundesstaat Uttar Pradesh). Die militärische Macht des Königreichs hing im wesentlichen vom Besitz der Festung Kalanjar ab.

Die Chandela Könige wurden im 10. Jahrhundert vollständig unabhängig.«

»Chandela-Architektur: Einer der schönen Seen, den die Chandela-Prinzen durch Abdämmen der Täler zwischen den niedrigen waldbedeckten Hügeln von Bundelkhand erstellten, wurde bereits erwähnt. Es gibt noch viele andere, an deren Ufern ich in meiner Jugend oft mein Zelt aufbaute. Die Ufer sind gigantische Strukturen mit Steinbelag und oft gekrönt mit riesigen Tempeln aus Granit oder eher Gneis. Eine große Gruppe solcher Tempel steht immer noch in Khajuraho und ist allen Fachgelehrten indischer Architektur wohl bekannt. Einige der besten Tempel wurden vom König Dhanga in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts errichtet. Die Jaina-Religion hatte zahlreiche Mitglieder in den Chandela-Gebieten während des 11. und 12. Jahrhunderts, obwohl sie nun fast ausgestorben ist (1993 aber lebten etliche Jaina-Familien in Khajuraho-Dorf). Alte Jaina-Tempel und Skulpturen können immer noch in vielen Dörfern gesehen werden.«

Das ist alles, was in diesem grundlegenden und bekannten Werk steht – nichts über die tantrische Bedeutung der Khajuraho-Tempel, nichts über die erotischen Figuren dieser Tempel, nichts über die anderen emotionalen und spirituellen Darstellungen und deren mögliche Bedeutung.

Es ist nicht klar, wie die Chandelas an die Idee gekommen sind, dem tantra eine so überragende Bedeutung in ihrem Staat zu geben. Es wird aber in Khajuraho erzählt, daß sie zum Anfang Kontakt mit dem nordindischen tantra-Meister GORAKNATH (aus der später nach ihm benannten Stadt Gorakpur) gehabt hätten, der ihnen diese tantra-Gemeinde eingerichtet hätte. Allerdings habe ich bis jetzt in der mir zugänglichen Literatur noch keinen Hinweis auf GORAKNATH als tantra-Lehrer gefunden, er war eher ein yoga-Meister. Und der Autor, DAM, eines Buches über GORAKNATH bestätigte mir, daß es ihm auch unwahrscheinlich ist.

Hier nochmal ein Hinweis auf das Bild 06, eine Ansicht eines der großen Tempel, der Deva Jagadamba-Tempel der Göttin Shakti.