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Die Fantasie-Reise

 

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Unsere Commune besteht aus einigen Hütten, die aus geflochtenen Matten gebaut sind, viele Leute leben darin, aber wir fühlen uns wohl – immerhin haben wir ein Feuer, an dem wir uns in der Regenzeit wärmen und an dem wir uns warme Getränke und Speisen kochen. Neulich ist die Frau gekommen, die sich um unsere Gesundheit kümmert, eine bhikkhuni (eine Nonne). Sie sah mich an und meinte, es sei schon länger her, daß ich mich mal so richtig losgelassen hätte, mich zurückgezogen hätte von den Leuten, von der Arbeit, von der Commune, daß ich mal etwas länger mit mir selbst still gewesen sei, daß ich ein chakra puja gefeiert hätte, daß ich mich wieder mal so ganz selbst erlebt hätte, daß ich von meinem Ego losgekommen sei, ich bekam einen Termin – und nun bin ich auf dem Weg zu den Tempeln.

Bild 17, Blick von Khajuraho-Dorf zu den Tempeln - Vorschaubild

Bild 17, Blick von Khajuraho-Dorf zu den Tempeln

Hinter mir liegt das Dorf, die Arbeit, die schreienden Kinder und zänkischen Alten, die Angst vor dem Elefanten unserer Gemeinde, der so leicht wild wird, der Gestank in den Abzugsgräben und das Gezeter des Aufsehers, wenn der Graben wieder nicht sauber ausgehoben ist.

Wir sind nun in einem großen Park mit Blumenbüschen, dort liegen die Tempel – 10 oder 12 zusammen. An anderen Stellen gibt es ähnliche Ansammlungen solcher Tempel.

Bild 18, Bougainvillea in Kerala 1965 - Vorschaubild

Bild 18, Bougainvillea in Kerala 1965

Um mich herum sind blühende Büsche und Bäume, ich habe meine besten Kleider angetan, lange bunte Tücher und seidene, gelb-orange Wickelstrümpfe, die am bunt geschmückten Gürtel befestigt sind. Ich fühle mich einerseits sehr wohl – endlich mal ausspannen, andererseits fürchte ich mich – wie immer – vor dem, was nun geschehen soll. Es ist so anders, und ich weiß: alles, was sich in mir in den vergangenen Monaten angesammelt hat an nicht rausgebrachtem Zorn, unerfüllten Begierden, nicht getanzten Tänzen und nicht gelachtem Lachen – nun wird es mal wieder herauskommen – und davor habe ich Angst. Das Loslassen macht so unsicher.

Ich gehe nun zwischen den Tempeln umher, die ich aufsuchen soll – und will. Ich WILL tatsächlich, denn ich weiß auch, daß diese Tage hier mir sehr gut tun werden, und den Frauen und Männern, mit denen ich sonst zusammen lebe und arbeite, auch, besonders meinen Kindern, denen ich danach wieder gelassener begegnen werde. Überall stehen und sitzen Menschen umher, die ebenso feierlich und still sind wie ich, viele ähnlich festlich gekleidet. Sie freuen sich an den Blumen und Schmetterlingen und an den Vögeln mit ihren Gesängen und schillernden Federn.

Bild 19, Raupe im Park - Vorschaubild

Bild 19, Raupe im Park