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Die Fantasie-Reise

 

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Jemand erläutert mir: dieses ist die Gottheit Varaha. Varaha holte die ganze Erde aus den Tiefen des Meeres wieder hervor. Eine böse Kraft, ein Dämon hatte die Erde dort nämlich versenkt, und Varaha vernichtete diese Kraft. Ich merke: Ich kleiner Mensch kann Varaha bitten, mich vor der Angst des Ertrinkens zu bewahren, das Bild ist mir ein Hinweis, daß das Wasser kein Totfeind ist, die Kraft Varaha rückt das Wasser in die rechte Ordnung. Dennoch muß ich über das Bild lachen.

Wie er mich lachen sieht, meint ein Bikkhu, »ja nun bist du so weit: nun hast du keine Ehrfurcht mehr vor all diesen Erscheinungen, sie sind dir nun nur noch Erscheinungen des menschlichen Denkens, des menschlichen Denkens, weißt du, sonst nichts – nun bist du jenseits all dieser Denkweisen angekommen, nun mußt du lachen. Ja das ist ja das Ziel ... Dennoch: diese Erfahrung solltest du mit allen den Göttern und Heiligen machen, die du hier siehst. Immer wieder wurden und werden sie von Menschen als verehrenswürdig empfunden, und das hat ihnen geholfen ... wenigstens diese Art der Hilfe ist zu verehren, meine ich.«

Ich sitze ein paar Tage im Park und sehe in das Erlebte hinein, sehe mir an, was es in mir bedeutet.

Bild 47, im Osho Teerth in Pune, ein Platz für Meditierer - wie früher in Khajuraho - Vorschaubild

Bild 47, im Osho Teerth in Pune, ein Platz für Meditierer - wie früher in Khajuraho

Es wird nun wieder hell. Die aufgehende Sonne scheint in das mandapam hinein und macht alles hell-purpur. Ganz rein und kristallen klar treten wir in den Morgen, Vögel zwitschern, Blumen duften, selbst das Geschrei der Esel klingt wie Musik, die Dämpfe aus den Gräben sind angenehm, alles gehört zum Selbstverständlichen der Existenz, es gibt nichts zu bemängeln. Ich muß lachen.

Im Park bietet mir eine bhikkhuni eine ganz individuelle Begegnung an: sie bietet mir an, meinen Körper zu berühren, zu streicheln, vielleicht zu massieren. Ich habe Angst vor so viel Nähe, was ist, wenn sie mehr will als ich gerade geben will? Sie winkt eine junge Frau heran, die uns auf ihrer Flöte spielt, »das ist die Musik aus des Königs Garten – so heißt dieses raga«, sagt die Frau zuerst. Die bhikkhuni fragt mich bei jedem Tun, ob mir das recht so sein ... auf einer Matte liege ich nun, die Robe zur Seite geschlagen, sie hockt hinter meinem Kopf und streicht erst leicht, dann fester über die Kopfhaut, über den Hals, die Brust, und zieht immer wieder zur Mitte des Kopfes, »hier ist dein sahasrar,« sagt sie.

Zur Flöte spielt nun ein helles Glockenspiel, von einem Jungen angeschlagen, er summt, und hell singt er dann in den Tönen der Glöckchen. Wie die Hand der Frau auf meiner Brust liegt, sinke ich tiefer in mich, leicht berühren die Finger diese und jene Stelle, drücken ein wenig ... ein großes Vertrauen ist um mich.

Nun sitzt die bhikkhuni neben meinem Körper und streicht vom Hals über den Bauch bis zu den Schenkeln, berührt dabei meine Hoden und die weiche Haut an der Innenseite der Beine, geht mit den Fingern bis hinunter zu den Füßen. Den Knien gibt sie besondere Stärke, »die haben so viel zu tragen,« sagt sie anerkennend und tröstend.

Mein Vertrauen ist so groß, ich lege die Arme nach oben über den Kopf und spreize die Beine ... in der verletzlichsten Stellung ... überall kann sie mich anfassen, und sie dringt tief in den Körper ein, drückt hier und da in die Oberschenkel und in meinen Bauch und findet Stellen, die schmerzen, »da hast du Sorgen, ich werde sie etwas wegstreichen«.

Lange bleibe ich so liegen, und die bhikkhuni bewacht mein Ruhen. Leicht scheint ein Nachtschmetterling über den Bauch zu flattern ... zwischen den Sternen sehe ich einen, der hinabfällt und hell aufglüht, groß ist er in seiner Glut, fast so groß wie der Mond heute. Doch alles ist still, die stille Nacht der heißen Sommer. Kaum rufen Vögel, es muß um Mitternacht sein.

Ein paar Tage später darf ich ein Ritual im Devi Jagadamba-Tempel erleben, wo für Männer ihre Inneren Frau gefeiert wird. Dieser Tempel ist der weiblichen Seite der Gottheit gewidmet: Shakti.

Bild 48, Zeichnung vom Jagadamba-Tempel von Süden, aus dem Notizbuch - Vorschaubild

Bild 48, Zeichnung vom Jagadamba-Tempel von Süden, aus dem Notizbuch

Ähnlich wie im Kandariya-Tempel gehen wir nach dem Aufnehmen und Erleben der Figuren an der Außenwand durch eine Weihe und sammeln uns nach einigen Tagen im antaral, wo schon ein kleines Feuer in der Mitte brennt, ein orange Feuer.