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Die Fantasie-Reise

 

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Die bhikkhuni leitet mich zu einem Baum in der Nähe des Kandariya Mahadev Tempels. Es ist ein riesiger, alter banyan-Baum, dessen lange Wurzeln von den Ästen herabhängen und den Boden suchen, vielleicht ein Symbol für mich, meinen eigenen Boden zu suchen, meine eigenen Wurzeln zu benutzen? Unter dem Äste- und Wurzelzelt ist es schattig, fast dunkel, und ich möchte mich hier hinsetzen.

Bild 24, der Kandariya-Tempel hinter einem banyan-Baum - Vorschaubild

Bild 24, der Kandariya-Tempel hinter einem banyan-Baum

Die Frau in der gelben Robe aber zeigt auf einen rot blühenden Busch mit zarten Blütenblättern, ich bleibe hier stehen und sehe mir die Blüten an. Sie stehen ganz klar vor meinen Augen, sie sind so wie gleiche Blüten in unserem Dorf, sie erinnern mich daran. Das Filigran der Blüten begeistert mich, ich fessele mich daran.

Bild 25, ich nähere mich dem Kandariya-Tempel - Vorschaubild

Bild 25, ich nähere mich dem Kandariya-Tempel

Da klingt ein Gong vom Tempel her. Ich vergesse die Blüten, und langsam kommt der Tempel in meinen Blick, er wird scharf in den Augen. Das ist schon etwas großes und wunderbares, dieser Tempel – geweiht dem männlichen Aspekt des Gottes, Shiva genannt, der in alter Zeit seinem fraulichen Aspekt Shakti von den 112 Formen des dhyan erzählt hat. Sie saß auf seinem Schoß, als er ihr sagte und zeigte, wie wir aus der Zweiheit von Frau und Mann, Shakti und Shiva, zur Einheit werden können, wie wir auf diesem Wege nach unten in die Erde, unsere Quelle, und nach oben in die Unendlichkeit, unser Ziel strahlen. Shiva beschrieb Shakti die 112 Haupt-Meditationen für unsere tantra-Lebensweise. Sie war Fragerin und Zuhörerin, damit diese Worte für die Menschen gesagt würden.

Bild 26, vor dem Tempel - Vorschaubild

Bild 26, vor dem Tempel

Bevor das geschah, waren beide Eins, Ardh-Narishwára, die totale Gottheit, doch es war einsam und leer um Ardh-Narishwára, und so erschuf sich Ardh-Narishwára Shakti und Shiva, teilte sich in Shakti und Shiva, in eine weibliche und eine männliche Seite.

Na ja, solche Geschichten gelten eher für Menschen als für Götter, doch so habe ich es gelernt, und in diesem Tempel werde ich es in den nächsten Tagen wieder erleben. Wir werden es feiern – nein erfahren, wie Shakti und Shiva sich vereinen – und schließlich wieder lösen in die Zweiheit von Göttin und Gott, von Frau und Mann, von Gegensätzen, ohne die es Leben nicht gäbe.