Es wird gesagt, daß Mahatma GANDHI nur durch RABINDRANATH TAGORE daran gehindert werden konnte, die Tempel von Khajuraho zuschütten zu lassen. Er empfand sie als ein schlechtes Zeugnis für die Reinheit des Hinduismus oder der indischen Kultur. Viele Inder mögen diese Ansicht teilen. Andere gehen hin und verehren die Götter – vielleicht ohne daß es sie weiter interessiert, was die Tempel vor 1000 Jahren tatsächlich für eine Bedeutung hatten. Andere genießen die psychischen und spirituellen Aussagen und das Kunstwerk.
Abgesehen von einigen Büchern, in denen Khajuraho beschrieben oder erwähnt wird, kennt der Westen nicht viel mehr als „die Sex–Tempel“ oder "Porno-Tempel". Die folgenden im Westen erhältlichen Bücher sind erwähnenswert, da sie weit mehr zeigen als den Bezug zum Sex (siehe Literatur–Verzeichnis), doch seit ich dieses geschrieben habe, ist bestimmt manches dazu zugekommen:
FOUCHET (1959): The Erotic Sculpture of India.
MOOKERJEE (1967–1968): Tantra Kunst.
MOOKERJEE (1971): Tantra Asana, ein Weg zur Selbstverwirklichung.
MOOKERJEE & KHANNA (1987): Die Welt des Tantra in Bild und Deutung
(dies Buch behandelt das traditionelle indische tantra).
SOULIÉ (1982): Tantra, Erotic Figures in Indian Art.
SHEARER (1987): Northern India, A Guide to the Sacred Places of Northern India
(in diesem empfehlenswerten Buch wird auf die Bedeutungen der Tempel mit ungewohnter Einfühlung und Ausführlichkeit eingegangen).
Über indische Versandbuchhandlungen sind auch in Indien erschienene Bücher erhältlich wie die von CHAWDHRI, PODDAR & KAPOOR, THOMAS, Swami NIKHILANANDA.
Viele Westliche Touristen reisen nach Khajuraho, doch die dortigen Fremdenführer – mit Ausnahme einiger wie Swami GANGA (siehe das Kapitel „Methoden ...“) – scheinen ihnen lediglich von den westlichen Deutungen, die von indischen Indologen übernommenen wurden, zu berichten, die meinen Erfahrungen widersprechen. Nur Menschen, die sich von jenen, meist aus den christlichen Vorstellungen hergeleiteten Deutungen frei gemacht haben, die also ohne einschränkende Vorurteile die Tempel betrachten, haben sich geöffnet für andere Gefühle. Menschen, die zum Beispiel eine Nähe zur humanistischen Psychologie Amerika´s haben – vielleicht auch zur alten Psychologie des Buddhismus, Tibet´s und des Taoismus´.
Andere westliche Touristen suchen einfach das erotische Erlebnis, was vielleicht nicht ganz den ursprüngliche Intentionen der Erbauer widerspricht: der Betrachter soll an seine eigenen erotischen und sexuellen Begierden und Fantasien klar erinnert werden und sie in das Bewußtsein hervorrufen und sie damit aus der Dunkelheit der Verlegenheit und Scham entlassen. Doch wahrscheinlich gelingt das nicht während der kurzen und unvorbreiteten Besuchen der Touristen.
Die Mehrheit der westlichen Besucher ist aber wohl von der großen Schönheit der Figuren, von der Vollständigkeit des Eindrucks der einzelnen Tempel, von der Fremdartigkeit begeistert – ich denke, diese Art von ästhetischem Geschmack ist nicht tantrisch und hat kaum eine Wirkung auf den seelischen Fortschritt im Sinne des tantra.
Wahrscheinlich mögen aber nur wenige Besucher die Tempel so erleben wie ich es oben beschrieben habe, da ihnen einfach die Hinweise fehlen, wie sie von Swami GANGA zu bekommen oder in OSHO´s Büchern zu finden sind. Diesen Büchern mag sich wohl nicht jeder öffnen, man sucht sie nicht einmal so leicht. Doch ich möchte das Lesen als Vorbereitung nahelegen, besonders „Tantra die Höchste Einsicht“ und „vom Sex zum kosmischen Bewußtsein“. Die englische Übersetzung des letzteren („From Sex to Super-Consciousness“ ) ist leichter zu lesen als die deutsche.