Die Grundlagen zu meiner Fantasie-Reise in das mittelalterliche Khajuraho stammen weniger aus den eigenen Erlebnissen und Beobachtungen, sondern vorwiegend aus Zitaten von OSHO:
Im Buch „The Tantra Vision“, Vol. II (1979):
Ein Frager hatte in einem Frankfurter Museum einen Raum mit vielen Buddha-Statuen gesehen und einen starken inneren Strom gefühlt. Er fragte sich, ob es sich um eine Einbildung handelte. OSHO sagte dazu unter anderem (Seite 177–179):
»Jene Buddha-Statuen, die du in dem Frankfurter Museum gesehen hast, sind die Zustände innerer Ruhe. Wenn eine Person absolut still ist, wird sie in diesem Zustand sein. Wenn innen alles still und ruhig und gelassen ist – nicht ein Gedanke sich bewegt, nicht eine kleine Brise weht; wenn alles gestoppt hat, die Zeit aufgehört hat – dann fühlst du dich auch wie ein buddha sitzend. Irgendetwas wie dieselbe Geometrie wird in dir geschehen. Es ist objektive Kunst – weniger interessiert an der Wirklichkeit Buddha´s, aber mehr interessiert an den Leuten, die kommen und Buddhaschaft suchen. Die Betonung liegt wo anders: was wird mit denen geschehen, die diese Statuen ansehen, und die vor diesen Statuen niederknien, und die bei diesen Statuen meditieren.
In Indien gibt es Tempel wie in Khajuraho, in denen alle Arten von sexuellen Positionen bildhauerisch dargestellt sind. Viele Positionen sind so absurd, daß selbst ein DE SADE oder ein SACHER-MASOCH nicht in der Lage wären, sie sich vorzustellen. Die aller-pevertierteste Person könnte sich das nicht vorstellen. Zum Beispiel, der Mann und die Frau stehen auf ihren Köpfen und machen Liebe – es scheint nicht so, daß irgendjemand so etwas versuchen oder sich vorstellen könnte. Warum haben sie diese Figuren gemacht? Sie sind Beispiele von objektiver Kunst.
Diese Tempel von Khajuraho waren nicht gewöhnliche Tempel. Sie waren eine Art von Therapie: sie existieren als eine Therapie. Wann immer jemand an irgendeiner sexuellen Perversion litt, wurde er nach Khajuraho gechickt. Er mußte sich all diese abnormen, bizarren Dinge ansehen und über sie meditieren. Er hatte irgend etwas pervertiert in seinem mind: diese Perversion war innen im Unbewußten. Was macht die Psychoanalyse? Sie versucht, die Dinge vom Unbewußten ins Bewußte zu bringen, das ist alles. Und die Psychoanalyse sagt, wenn erst mal etwas vom Unbewußten ins Bewußte kommt, ist es entlastet; dann bist du frei davon.
Nun, das war eine große Psychoanalyse, dies Khajuraho. Ein abnormer, pervertierter Mensch wird gebracht. Er hat seine Perversionen unterdrückt – manchmal brechen sie los, aber er unterdrückt sie weiter. Er weiß, daß da etwas wie eine Wunde ist, aber er war nie in der Lage, es von Angesicht zu sehen. Er wird nach Khajuraho gebracht. Er geht langsam umher, meditiert bei jeder Statue, jeder bizarren Position.
Und eines Tages passt plötzlich eine Position zu seiner inneren Perversion. Plötzlich kommt die Perversion aus dem Unbewußten an die Oberfläche, und sie ist freigesetzt ohne einen FREUD oder JUNG oder ADLER – nur der Tempel tut das. Er wird in den Tempel gelassen. Für ein paar Wochen kann er dort sein. In jenen Tagen war es für jeden Meditierenden, der wirklich tief in die Meditation gehen wollte, gut, einen Tempel wie Khajuraho zu besuchen.
An den Außenwänden des Tempels sind alle diese Statuen – sehr abnorm, sehr verrückt, sehr pervertiert.
Innen sind keine sexuellen Bilder, keine sexuellen Statuen, gar keine Sexualität. Auch BUDDHA´s oder SHIVA´s oder KRISHNA´s Statuen sind dort nicht.
Wo liegt die Bedeutung von all dem? Warum Sex nur an den Außenwänden, aber innen ist kein Sex?
Es ist eine Technik. Erst bewegst du dich an der Peripherie, so daß du dich vom Sex befreien kannst. Wenn jemand fühlt, daß ihn diese sexuellen Statuen nicht mehr anziehen – nun sitzt er einfach vor ihnen, und nichts geschieht innen, er bleibt ruhig und gelassen, keine sexuellen Erregungen, keine Aufregung; er wartet Wochen lang, und keine Sexualität wird gefühlt – dann schließlich ist er in der Lage, in die Tempel hineinzugehen.
Das ist symbolisch. Jetzt kann seine Sexualität über sich hinausgehen. Diese Tempel waren Tantra-Tempel: eines der größten Experimente, die je gemacht wurden. Sie sind nicht obszön, sie sind nicht pornographisch. Sie sind spirituell – ein großes Experiment in Spiritualität, ein großes Experiment, die menschliche Energie in höhere Schichten zu transformieren.
Doch erst muß die Energie von den niederen Schichten befreit werden. Und um sie zu befreien, gibt es nur einen Weg: sie absolut bewußt zu machen, alle Fantasien aus dem Unbewußten in den bewußten Verstand zu bringen. Wenn das Unbewußte vollständig entlastet ist, bist du frei. Dann hast du keine Blockaden mehr, dann kannst du nach innen gehen. Dann kannst du in den Tempel hineingehen. Dann kannst du über BUDDHA, SHIVA oder KRISHNA meditieren.
Es war keine Einbildung, es war objektive Kunst, worüber du unwissentlich gestolpert bist.«
In dem Buch von OSHO, "From Sex to Super-Consciousness" (dritte englische Auflage ca. 1991, ursprünglich in Hindi, dann ins Englische, und vom Englischen für diesen Aufsatz ausschnittweise ins Deutsche übersetzt) steht ab Seite 147:
»Freud hatte nie den normalen, gesunden Sex untersucht. Er war ein Forscher, der sich mit Krankheiten beschäftigte, mit Perversionen, und sein Verstand beschäftigte sich in erster Linie mit Behandlungen, Heilmethoden.
Deswegen, wenn ihr darauf aus seid, die Wahrheiten dessen, was ich sage, bestätigt zu sehen, müsst ihr euch mit der Philosophie von Tantra beschäftigen. Tantra macht schon früh Versuche, Sex zu spiritualisieren, und obwohl wir das Denken über Tantra seid Jahrhunderten verbannt haben, sind die Monumente von Khajuraho und die Tempel von Konarak und Puri lebende Zeugen.
Seid ihr je in Khajuraho gewesen? Habt ihr die Figuren dort gesehen? Wenn ja, dann müsst ihr zwei wunderbare Phänomene erfahren haben. Selbst nachdem man die Figuren von nackten Paaren in sexuellen Verbindung ("intercourse") gesehen habt, werdet ihr keine Gefühl von Vulgarität, Gewöhnlichkeit haben; ihr werdet nichts von Häßlichkeit oder Schlechtigkeit in den Figuren von nackten, kopulierenden Männern und Frauen sehen.
Und das zweite Ding ist, daß ihr ein Gefühl von Friede erfahren werdet. Ein Gefühl von Heiligkeit wird sich in euch entwickeln. Eure Reaktion wird euch überraschen. Die Seher, die diese Statuen erschaffen haben, waren Leute, die spirituellen Sex ganz intim gesehen und erfahren haben.